Fehlercodes im ERC-Segment einer APERAK-Nachricht: Interpretation und Behebung
1. Grundlagen des ERC-Segments in APERAK-Nachrichten
Das ERC-Segment (Error Condition) in einer APERAK-Nachricht (Application Error and Acknowledgement) dient der Übermittlung von Fehlermeldungen, die bei der Verarbeitung von EDI-Nachrichten (z. B. ORDERS, INVOIC) aufgetreten sind. Es folgt dem UN/EDIFACT-Standard und enthält strukturierte Informationen zu Fehlern, darunter:
- Fehlercode (z. B.
ERC+10für „Syntaxfehler“) - Fehlerbeschreibung (optional, aber empfohlen)
- Betroffenes Segment/Element (z. B.
DTM+137für ein ungültiges Datumsformat) - Wiederholungsposition (falls der Fehler in einer Schleife auftritt)
Die korrekte Interpretation und Behebung dieser Codes ist essenziell für die reibungslose Abwicklung elektronischer Geschäftsprozesse.
2. Häufige Fehlercodes und ihre Bedeutung
Die Fehlercodes im ERC-Segment sind standardisiert (z. B. nach UN/EDIFACT D.16B). Nachfolgend eine Auswahl praxisrelevanter Codes mit Ursachen und Lösungsansätzen:
| Fehlercode | Beschreibung | Mögliche Ursache | Behebungsmaßnahme |
|---|---|---|---|
| ERC+1 | Ungültiger Zeichensatz | Verwendung nicht unterstützter Sonderzeichen (z. B. Umlaute, &, #). |
Zeichensatz auf UNOA/UNOB oder UTF-8 prüfen; Sonderzeichen ersetzen. |
| ERC+5 | Fehlendes Pflichtsegment | Ein erforderliches Segment (z. B. NAD+BY für den Käufer) wurde nicht übermittelt. |
EDI-Mapping prüfen; fehlende Segmente ergänzen. |
| ERC+10 | Syntaxfehler | Falsche Segmentstruktur (z. B. fehlende + oder : als Trennzeichen). |
Syntax mit EDIFACT-Validator prüfen; Trennzeichen korrigieren. |
| ERC+12 | Ungültiger Wert in Datenelement | Falsches Format (z. B. Datum 20231301 statt 20231201). |
Datums-, Nummern- oder Code-Formate anpassen (z. B. CCYYMMDD). |
| ERC+15 | Segment außerhalb der erlaubten Reihenfolge | Segment erscheint an falscher Position (z. B. LIN vor BGM). |
Segmentreihenfolge gemäß EDIFACT-Standard korrigieren. |
| ERC+20 | Referenznummer nicht gefunden | Übermittelte Referenz (z. B. Bestellnummer) existiert nicht im System des Partners. | Referenzdaten prüfen; ggf. manuelle Klärung mit dem Partner. |
| ERC+26 | Duplikat eines Segments | Segment wurde versehentlich mehrfach gesendet (z. B. RFF+ON). |
Duplikate entfernen; Mapping auf Schleifen prüfen. |
| ERC+30 | Ungültiger Code in Code-Liste | Unbekannter Code (z. B. PAY+1 statt PAY+3 für Zahlungsart). |
Code gegen offizielle EDIFACT-Code-Listen validieren. |
| ERC+40 | Segment zu lang | Segment überschreitet die maximale Länge (z. B. FTX mit >350 Zeichen). |
Text kürzen oder auf mehrere FTX-Segmente aufteilen. |
| ERC+50 | Ungültige Prüfziffer | Fehler in Prüfziffern (z. B. bei GTIN/EAN oder IBAN). | Prüfziffern-Algorithmus anwenden; Daten korrigieren. |
3. Praktische Vorgehensweise zur Fehlerbehebung
Schritt 1: Fehleranalyse
ERC-Segment extrahieren: Beispiel:
ERC+10:SYNTAX ERROR IN SEGMENT DTM+137 AT POSITION 5'- Fehlercode:
10(Syntaxfehler) - Betroffenes Segment:
DTM+137(Datum/Zeit) - Position: 5. Zeichen im Segment
- Fehlercode:
Fehlerquelle identifizieren:
- Prüfen Sie das betroffene Segment in der Originalnachricht:
→ Problem: MonatDTM+137:20231301:102'13ist ungültig (FormatCCYYMMDD).
- Prüfen Sie das betroffene Segment in der Originalnachricht:
Schritt 2: Korrekturmaßnahmen
Manuelle Korrektur:
- Bei einmaligen Fehlern (z. B. Tippfehler) das Segment direkt anpassen:
DTM+137:20231201:102'
- Bei einmaligen Fehlern (z. B. Tippfehler) das Segment direkt anpassen:
Automatisierte Validierung:
- Nutzen Sie EDI-Validatoren (z. B. EDI Notepad, Liaison EDI) oder XSD-Schemata, um Syntax und Struktur zu prüfen.
- Für Code-Listen: Referenzieren Sie offizielle Quellen wie UN/EDIFACT D.16B.
Systemseitige Anpassungen:
- Mapping-Tools (z. B. SAP IDoc, MuleSoft, IBM Sterling):
- Prüfen Sie die Konvertierungsregeln zwischen internen Formaten (z. B. IDoc) und EDIFACT.
- Beispiel: Ein SAP-IDoc mit falschem Datumsformat muss im Mapping auf
CCYYMMDDumgestellt werden.
- Partnerkommunikation:
- Bei wiederkehrenden Fehlern (z. B.
ERC+20) klären Sie mit dem Partner, ob Referenzdaten (z. B. Bestellnummern) synchronisiert werden müssen.
- Bei wiederkehrenden Fehlern (z. B.
- Mapping-Tools (z. B. SAP IDoc, MuleSoft, IBM Sterling):
Schritt 3: Test und Rückmeldung
- Testnachricht senden:
- Korrigierte Nachricht an den Partner übermitteln und auf APERAK-Rückmeldung warten.
- Bei Erfolg sollte die APERAK eine positive Quittung (z. B.
UNA+UNB+UNZ) enthalten.
- Dokumentation:
- Fehler und Lösungen in einem EDI-Fehlerlog festhalten, um Wiederholungen zu vermeiden.
- Bei häufigen Fehlern (z. B.
ERC+12) Schulungen für Mitarbeiter oder Anpassungen im ERP-System erwägen.
4. Präventive Maßnahmen
- Regelmäßige Validierung:
- Implementieren Sie automatisierte Prüfungen vor dem Versand (z. B. mit Python-Skripten oder EDI-Gateways).
- Partner-Vereinbarungen:
- Klären Sie im EDI-Leitfaden (Message Implementation Guideline, MIG) verbindliche Formate, Code-Listen und Pflichtfelder.
- Monitoring:
5. Beispiel: Behebung eines ERC+12-Fehlers
Fehlermeldung:
ERC+12:INVALID VALUE IN DATA ELEMENT 2380 IN SEGMENT DTM+137'
Analyse:
- Segment:
DTM+137:20231301:102 - Problem: Monat
13ist ungültig (FormatCCYYMMDD).
Lösung:
- Korrektur des Datums:
DTM+137:20231201:102 - Systemanpassung:
- Im ERP-System (z. B. SAP) das Mapping für das Feld
DTM+137auf das FormatCCYYMMDDfestlegen.
- Im ERP-System (z. B. SAP) das Mapping für das Feld
- Test:
- Senden Sie eine Testnachricht und prüfen Sie die APERAK-Rückmeldung auf Fehlerfreiheit.
6. Weiterführende Ressourcen
- UN/EDIFACT-Standards: UNECE Trade Data Interchange Directory
- EDI-Validatoren:
- Tools für Mapping/Monitoring:
- SAP IDoc/EDI
- MuleSoft Anypoint Platform
- IBM Sterling B2B Integrator
Zusammenfassung
Die Behebung von Fehlern im ERC-Segment erfordert eine systematische Analyse der Fehlercodes, die Identifikation der betroffenen Segmente und gezielte Korrekturen – sei es durch manuelle Anpassungen, automatisierte Validierung oder Kommunikation mit dem Partner. Präventive Maßnahmen wie regelmäßige Tests und klare Partner-Vereinbarungen minimieren zukünftige Fehlerquellen. Bei komplexen Fehlern empfiehlt sich der Einsatz von EDI-Experten oder Spezialsoftware.